Frage: Was ist der Unterschied zwischen Yoga und Meditation?

Sadhguru: Das deutsche Wort „Meditation“ bedeutet nichts, denn wenn man mit geschlossenen Augen sitzt, „meditiert“ man. Aber mit geschlossenen Augen kannst du viele Dinge tun – Japa, Tapa, Dharana, Dhyana, Samadhi, Shoonya. Oder du hast die Kunst des Schlafens in vertikaler Position gemeistert! Wenn du Meditation als Dhyana meinst, ist das ein Aspekt des Yoga.

Meditation ist nicht etwas, das du tun kannst. Aber du kannst meditativ werden.

Der Hauptaspekt der Meditation ist – momentan ist dein Verstand der Boss und du bist der Sklave. Je meditativer du wirst, desto mehr wirst du zum Boss und dein Verstand wird zum Sklaven, und so sollte es immer sein. Wenn du dem Verstand erlaubst zu regieren, ist er ein schrecklicher Meister. Er wird dich durch alle Arten endlosen Leids führen. Aber als ein Sklave ist der Verstand wundervoll – er ist ein wunderbarer Sklave.

Der Grund, warum die meisten Menschen, die Meditation ausprobiert haben, zu dem Schluss gekommen sind, dass es sehr schwierig oder unmöglich ist, liegt darin, dass sie versuchen, es zu tun. Meditation ist nicht etwas, das du tun kannst. Aber du kannst meditativ werden. Meditation ist eine bestimmte Qualität, nicht eine bestimmte Handlung. Wenn du deinen Körper, deinen Verstand, deine Energien und deine Emotionen bis zu einem gewissen Reifegrad kultivierst, geschieht Meditation ganz natürlich. Es ist so, wie wenn du den Boden fruchtbar hältst, wenn du ihm den nötigen Dünger und Wasser gibst und wenn der richtige Samen da ist, wird er wachsen und zu Blumen und Früchten erblühen.

Blumen und Früchte werden nicht aus einer Pflanze hervorgehen, weil du es willst, sondern einfach, weil du eine förderliche Atmosphäre geschaffen hast. Gleichermaßen blüht die Meditation ganz natürlich in dir auf, wenn du für alle vier Dimensionen, die dich ausmachen, die notwendige Atmosphäre in dir erzeugst. Es ist ein gewisser Duft, den man in sich selbst genießen kann.

Frage: Kann ich Yoga machen, wenn ich nicht vegetarisch esse und Alkohol trinke?

Sadhguru: Yoga ist keine Einschränkung, es ist ein tieferes Verständnis des Lebens. Wenn du wüsstest, wie du allein durch deine eigene Chemie absolut ekstatisch werden kannst, würdest du in deinem Leben weder rauchen noch Alkohol trinken. Ich habe noch nie eine Substanz angerührt, aber wenn du meine Augen siehst, bin ich immer berauscht. Yogis betrachten Alkohol, Drogen und diese Dinge als Kindergartenkram, weil wir uns allein durch unsere Lebendigkeit tausendfach berauschen können. Warum nur Wein? Du kannst dich mit dem Göttlichen (engl.: di-vine) betrinken!

Frage: Wie kann Yoga zur allgemeinen Entwicklung beitragen?

Sadhguru: Im Yoga geht es nicht um Selbstentwicklung; es geht um Selbstauflösung. Es ist die Methode oder der Prozess, der es einem individuellen Teil des Lebens ermöglicht, sich mit dem kosmischen zu verbinden. Wenn sich deine Lebenserfahrung von einer begrenzten Entität zur Universalität verschiebt, ist das Yoga. Wenn es eine Art Einheit oder Ganzheit in uns selbst gibt, ist das Yoga. Dann hast du eine gewisse Freiheit, mit deinem Leben zu spielen, wie du willst, aber gleichzeitig kann das Leben keinen Kratzer an dir hinterlassen.

Frage: Das Wort „Yoga“ bedeutet im Sanskrit „Einheit“. Gibt es eine einfache Übung, die wir machen können, um zur Einheit zu gelangen?

Sadhguru: Die einfachste Form des Yoga, um diese Einheit herbeizuführen, ist Namaskar. Die erste Ebene des Konflikts, der sich in dir abspielt, ist der zwischen deinem Ida und Pingala, dem Maskulinen und dem Femininen, der Sonne und dem Mond in dir, dem Yin und Yang, der rechten und linken Gehirnhälfte. Es gibt eine Reibung zwischen diesen beiden Polaritäten, die sich auf eine Million Arten in deinem Leben bemerkbar macht. Wenn du deine Hände zusammenbringst, kannst du die Dualitäten in deinem Inneren in Einklang bringen, und es besteht eine Möglichkeit, dass du auch die Welt vereinen kannst.

Frage: Braucht man für Yoga die Hilfe eines Lehrers oder kann man es sich selbst beibringen?

Sadhguru: Angenommen du strebst danach, in eine weit entfernte Stadt zu gehen. Wenn du alleine bist und es keine guten Richtungsangaben gibt, würdest du dir auf jeden Fall eine Karte wünschen. Es ist nicht so, dass du es nicht selber machen kannst, aber wir wissen nicht, wie lange es dauern wird. Wenn du dich auf einen unbekannten Weg begibst und keine Karte hast, kann es ein Leben lang dauern, bis du dort ankommst. Wenn du mit einer Karte gehst, wirst du es leicht durchwandern. Wenn du mit einem guten Busfahrer fährst, wirst du es sehr leicht durchfahren; das ist der Unterschied. Wenn du dich auf unbekanntes Terrain begeben willst, ist es klug, eine Person zu wählen, die dieses Terrain bereits beschritten hat.

Frage: Gibt es eine Karrieremöglichkeit als Guru?

Sadhguru: Jemand fragte mich: „Sadhguru, es war wundervoll, dich als unseren Guru zu haben. Was hältst du davon, uns als Schüler zu haben?“ Ich sagte: „Ein Yogi zu sein ist fantastisch. Ein Guru zu sein ist frustrierend.“ Etwas, das so einfach ist; dasselbe muss ich ein Leben lang auf eine Million verschiedene Arten sagen, und die Menschen scheinen es immer noch nicht zu verstehen.
Und es ist keine Karriere, denn du kannst die Menschen nicht durch bestimmte Dimensionen des Lebens führen, wenn es nur ein Mittel für den Lebensunterhalt ist. Nur wenn es mehr ist als dein Leben, ist es möglich.

Frage: Was kann Spiritualität jungen Menschen geben?

Sadhguru: Jugend bedeutet eine Menge Energie. Aber ungezügelte Energie ohne Stabilität und Richtung ist immer gefährlich und destruktiv. Nur diejenigen, die stabil sind, können die Qualität und das Talent, das sie haben, in vollem Umfang nutzen. Das Wichtigste für Jugendliche ist also, dass sie meditativ werden. Wenn sie etwas stabiler wären, könnte diese Energie, die du als Jugend bezeichnest, besser für ihr eigenes und das Wohlergehen aller eingesetzt werden.

Bevor die Jugend das Land, die Welt und die Wirtschaft führt, ist es extrem wichtig, dass sie lernt, sich selbst zu führen. Der gesamte Prozess des Yoga ist die Wissenschaft der inneren Führung. Du erschaffst eine innere Möglichkeit, in der Glückseligkeit, Freude und Frieden aus deiner eigenen Natur heraus entstehen und nicht aufgrund von etwas, das um dich herum geschieht.

Frage: Was ist der erste Schritt, um die Bewusstheit zu erhöhen?

Sadhguru: Erinnere dich jede Stunde daran: „Wow! Ich bin noch am Leben.“ Du magst das albern finden, aber über hunderttausend Menschen werden morgen früh nicht mehr aufwachen. Wenn du also morgen früh noch am Leben bist, lächle, denn die Tatsache, dass du aufgewacht bist, ist keine Kleinigkeit. Dann prüfe, ob die wenigen Menschen, die dir wichtig sind, noch leben – großartig! Mindestens eine Million haben einen geliebten Menschen verloren, aber wenn keiner von denen, die dir am Herzen liegen, heute von uns gegangen ist, ist das fantastisch!

Erst wenn du dir deiner Sterblichkeit bewusst bist, wirst du die Natur dieses Lebens wirklich kennenlernen wollen. Du wirst keine Zeit haben, Unsinn zu machen, der dir nichts bedeutet. Du wirst nur das tun, was für dein Leben wirklich wichtig ist. Das Bewusstwerden wird ganz natürlich geschehen, weil die Bedeutung des Lebendigseins aufblühen wird.

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Anmerkung der Redaktion: Auf dieser Unterseite von ishayoga.eu findest du alle frei verfügbaren Yoga- und Meditationsübungen zusammengefasst.