Wann Sadhana ein Erfolg wird
Sadhguru erkundet den eigentlichen Zweck von Sadhana und erklärt, dass die Idee, Sadhana zu machen, nicht darin besteht, „irgendwo hinzugehen“

Fragesteller: Nachdem ich jahrelang Sadhana gemacht habe, habe ich immer noch das Gefühl, dass ich vielleicht nirgendwo hinkomme. Was soll ich tun?
Sadhguru: Es spielt keine Rolle, wie viele Jahre du Sadhana machst, du wirst nirgendwo hinkommen. Nicht, dass du nicht könntest, du wirst nicht. Denn die Idee, Sadhana zu machen, ist nicht, irgendwo hinzugehen. Die Idee, Sadhana zu machen, ist, in einen Zustand zu kommen, in dem du einfach hier sein kannst – zu verstehen und zu wissen, dass das, was hier ist, überall ist und das, was nicht hier ist, nirgendwo ist. Über das Bedürfnis hinauszugelangen, irgendwo hinzugehen, das ist Sadhana, denn in Wirklichkeit ist da nichts, wohin man gehen kann. Es gibt nur das Hier, und es gibt nur das Jetzt. Der Rest ist nur in deinem Kopf. Sadhana ist dazu da, dich in einen Zustand zu bringen, in dem zumindest für eine gewisse Zeit am Tag das bloße Sitzen ausreichend ist. Wenn du lebst, bist du hier und jetzt, wenn du stirbst, bist du immer noch hier und jetzt. Du kannst nirgendwo hingehen. Da ist nichts, wohin man gehen kann.Sadhana ist ein Hilfsmittel
Sadhana ist ein Hilfsmittel. Es ist eine Methode, um dich auf einen bestimmten Reifegrad zu bringen, wo das Bedürfnis, irgendwo hinzugehen, weg ist. Deshalb bewegen sich Menschen, die in Sadhana vertieft sind, nirgendwo hin. Wenn du um die Welt reist, wirst du immer noch nicht wissen, ob die Welt rund oder flach ist; vergiss, die Feinheiten des Lebens zu kennen. Aber wenn du wirklich hier bist, ist alles, was wissenswert ist, genau hier, weil man im Außen nichts erkennen kann. Es spielt keine Rolle, ob du hier sitzt oder im Himalaya oder in Afrika oder in den Vereinigten Staaten oder am Südpol oder am Nordpol. Vielleicht sind bestimmte Atmosphären förderlich, bestimmte Atmosphären sind nicht förderlich, das ist eine andere Sache – aber im Grunde kannst du nur das erfahren, was in dir geschieht.
Wohin du also auch gehst, nur das ist da. Du weißt, diese Berge hier werden Velliangiri genannt. Das bedeutet „Weißer Berg“. Man kann sie zum Himalaya machen – das ist, was es bedeutet. Wir nennen sie auch „Kailash des Südens“. Wenn du hier lange genug sitzt oder involviert genug, werden sie zum Kailash werden; du brauchst die Reise nicht zu machen. Du kannst nur erfahren, was in dir geschieht. Du kannst nicht erfahren, was im Berg passiert, du kannst nicht erfahren, was im Himmel passiert, du kannst nicht erfahren, was irgendwo passiert.
Du kannst hier sitzen, jemanden ansehen und Liebe erfahren. Du kannst die Augen schließen, einfach an jemanden denken und Liebe erfahren, nicht wahr? Du kannst sie entweder von außen stimulieren oder von innen simulieren, beides ist möglich. Entweder bist du auf „Starthilfe“ oder „Selbststart“. Entweder bist du eine aktuelle Maschine oder eine vergangene Maschine. Du schaust den Mond an, du schaust die Erde an, du schließt deine Augen, du öffnest deine Augen – noch immer ist das, was in dir geschieht, alles, das an dir geschieht – nicht mehr, nicht weniger.

Sadhana bedeutet, dich selbst auf diesen Reifegrad zu bringen, um einfach zu sehen, dass es keine Rolle spielt, was du tust, dass es keine Rolle spielt, ob du einen Gipfel erklimmst oder im Tal sitzt, dass es keine Rolle spielt, ob du in der Welt erfolgreich bist oder nicht, dass es keine Rolle spielt, ob du wohlbekannt bist oder nicht, dass es keine Rolle spielt, ob du das isst, wovon du träumst oder nicht; es ist nur die Art, wie du es erfährst. Das ist keine Falle, das ist die Schönheit des Lebens. Da ist wirklich nichts, wohin man gehen kann. Du kannst hier sitzen und glückselig sein, ekstatisch; du kannst hier sitzen und unglücklich sein. Du hast eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Du kannst hier sitzen und denken: „Dies ist der gesegnetste Moment in meinem Leben.“ Du kannst hier sitzen und denken: „Das ist der quälendste Moment in meinem Leben.“ Das Leben hat dir keine Fesseln auferlegt. Die Fesseln sind ganz allein dein Werk. Die Existenz hat dich frei gelassen, absolut frei. Du kannst hier sitzen und das ist es. Es muss nichts passieren, und doch kannst du auf wundersame Weise durch das Leben gehen, aufgrund dessen, was du in dir selbst tust. Oder du kannst überall hingehen und alle möglichen Dinge tun und trotzdem auf eine ganz und gar elende Weise durchs Leben gehen. Beides ist dein Werk.
Das Jucken loswerden
Sadhana ist jener gesegnete Prozess, durch den du erkennst, dass du nirgendwo hingehen musst. Wenn das Bedürfnis zu gehen aufhört, ist dein Sadhana erfolgreich. Dann sitzt du einfach. Sitzen muss nicht unbedingt bedeuten, dass du körperlich an einem Ort sitzt. Es ist nur, dass das Jucken, auf dies und jenes einzugehen, verschwunden ist. Wenn du sitzt, geht es dir gut, wenn du läufst, geht es dir gut, wenn du fliegst, geht es dir gut, wenn du gehst, geht es dir auch gut. Wo auch immer du bist, es geht dir gut. Sobald das Jucken weg ist, bist du ruhig. Wenn du ruhig bist, musst du nichts mehr tun. Nur ein bisschen warten, das ist alles. Nur wenn du verliebt bist, kannst du warten, denn wenn du in jemanden verliebt bist, fühlst du dich emotional angenehm. Liebe erzeugt eine Menge mentaler Unruhe, denn das ist deine Vorstellung von Sorge. Dein Verstand wird also unangenehm, aber dein Gefühl ist angenehm – und dennoch lohnt es sich.
Wenn du gereizt, aufgewühlt, frustriert oder wütend bist, kannst du nicht warten, weil du unangenehm bist. Je nach Art der karmischen Substanz, die du in dir trägst, und je nach der Art der aktiven und dynamischen Hilfe, die du von außen erhältst, kann sich der Zeitraum des Wartens ändern. Es können ein paar Augenblicke sein, ein paar Jahre... einfach sitzen und warten. Wenn dein Inneres angenehm ist, ist das Warten von ein paar Jahren keine große Sache. Du wartest einfach.