Ist Marihuana ein Weg zur Erleuchtung?

Sadhguru erklärt, was Marihuana mit dem Gehirn anstellt, und beantwortet die Frage, ob Shiva selbst Gras geraucht hat
Adiyogi 112 ft Statue, Isha Yoga Center, Coimbatore | Did Shiva Smoke Weed? Can Marijuana Lead to Enlightenment?
 

Fragesteller: Kann Marihuana einen Menschen zur Erleuchtung führen? Schließlich sollte sogar Shiva geraucht haben.

Sadhguru: Wenn du mir genau in die Augen schaust, wirst du sehen, dass ich immer stoned bin. Es ist schon oft vorgekommen, dass mich Leute, die im Himalaya und an anderen Orten rauchten, einluden, mich ihnen anzuschließen, weil sie dachten, ich müsse ein Raucher sein. Ich habe die Substanz nie angerührt. Und wenn du auf eine bestimmte Art und Weise mit mir zusammen sein kannst, kann ich dich auch stoned machen, denn die Substanz ist nicht im Außen, die Substanz ist im Inneren. Die Frage ist, bist du auf Selbststart oder auf Fremdstart?

Welche Chemikalien wir auch immer unserem System verabreichen, sie können nur ein gewisses Gefühl der Erfahrung in uns stimulieren. Wenn du weißt, wie du das von innen heraus stimulieren kannst, kannst du mit großer Freude hier sitzen; nichts muss von außen zugeführt werden.

[Shiva] war stoned, keine Frage. Aber er benutzt keine Substanz, er ist die Substanz.

Von den vielen Namen, mit denen Shiva bezeichnet wird, ist Soma einer der wichtigen Namen. Soma bedeutet wörtlich übersetzt „Berauschung“. Shiva war kein solcher Krüppel, dass er Chemikalien von außen brauchte. Er war stoned, keine Frage. Aber er benutzt keine Substanz, er ist die Substanz.

Wenn du nicht berauscht bist, wirst du niemals verrückt genug sein, um in die ultimative Leere zu springen, die die einzige Befreiung ist. Nur im Zustand der Berauschtheit sind Körper und Geist nicht länger eine Beschränkung. Soma oder Somasundara ist also einer der bekanntesten Namen Shivas – immer berauscht, aber völlig wach. Er war nicht stoned von etwas so Belanglosem wie Gras. Seine Energien waren auf dem Höhepunkt. Das bedeutet, dass er so viel Leben ist, wie es nur sein kann – Leben, das bis zum Maximum gesteigert wurde. Er ist auf dem Höhepunkt der Berauschung, der Intensität und der Fähigkeiten.

Dies geschah einmal, als Adi Shankara zu Fuß unterwegs war. Er muss ein zügiger Wanderer gewesen sein, denn im Alter von zweiunddreißig Jahren verließ er seinen Körper. Aber von seinem zwölften bis zum zweiunddreißigsten Lebensjahr, in diesen zwanzig Jahren, durchquerte er Indien einige Male, von Norden nach Süden, von Osten nach Westen, von Kerala bis nach Badrinath und zurück, er reiste überall in alle Richtungen. Der Mann muss ein wirklich zügiger Wanderer gewesen sein, um in der kurzen Zeit seines Lebens so viel zu Fuß zu gehen, und zwischendurch hat er Tausende von Seiten Literatur verfasst.

Als er einmal zügig lief, mit einigen seiner Jünger hinter sich her trottend, kam er in ein Dorf. Außerhalb des Dorfes sah er ein paar Leute, die tranken, höchstwahrscheinlich den selbstgebrauten Schnaps des Landes, Arrak oder Toddy. In jenen Tagen in Indien und sogar noch bis vor fünfundzwanzig, dreißig Jahren gab es Schnapsläden immer nur außerhalb des Dorfes. Sie wurden nie ins Dorf gebracht. Heutzutage wird Alkohol im Dorf verkauft, neben deinem Haus und vor der Schule deines Kindes. In jenen Tagen war es immer außerhalb der Stadt.

Adi Shankara sah sich diese Menschen in ihrem berauschten Zustand an. Du weißt ja, dass Betrunkene immer denken, sie hätten die beste Zeit ihres Lebens und alle anderen würden sie verpassen. Also machten sie einige Bemerkungen über ihn. Ohne ein Wort zu sagen, betrat Adi Shankara den Laden, nahm einen Krug, trank ihn aus und ging weiter. Hinter ihm trotteten seine Schüler, und sie fingen an, untereinander zu diskutieren: „Wenn unser Guru trinken kann, warum können wir es nicht?“ Adi Shankara war sich dessen bewusst, was vor sich ging. Als er in das nächste Dorf kam, war dort ein Schmied am Werk. Adi Shankara ging hinein, hob den Topf mit geschmolzenem Eisen auf, trank ihn aus und ging weiter. Jetzt wirst du ihn nicht imitieren! Also selbst wenn du denkst, dass Shiva geraucht hat, versuche nicht, ihn zu imitieren.

Für mich ist das Größte diese kristallklare Art zu leben. Sich mit Marihuana zu benebeln ist kein Leben. Wenn man krank ist und stirbt, kann das Leben benebelt sein. Wenn man am Leben ist, ist Klarheit die wichtigste Sache. Und Klarheit kann berauschend sein. Du hast bestimmt schon all die Leute gesehen, die von Bergen springen, aus Flugzeugen springen und unglaublich riskante Dinge tun. Sie tun dies alles, weil wenn man super-aufmerksam ist, dann gibt es eine andere Art von Rausch und Lebendigkeit. Sie pumpen ihr Adrenalin hoch, indem sie so viele physische Dinge mit dem Außen tun. Aber wenn du hier völlig lebendig, wachsam und berauscht ohne äußere Reize sitzt, dann würde ich sagen, dass ein Element von Shiva zu dir gekommen ist. Wenn du hier einfach so super-aufmerksam sitzen kannst, dass du stoned bist – das ist der Weg, um stoned zu werden, nicht durch das Rauchen von Gras. Überlasse das Gras den Kühen. Menschen können bessere Dinge tun.

Mit jeder Art von Rauschmittel – Alkohol, Drogen und was auch immer – setzt man in gewisser Weise seine menschlichen Fähigkeiten herab. Wenn sie deine Fähigkeiten als Mensch ebenfalls verbessern würden, würde ich jedem raten, sich ständig zu betrinken. Aber das Problem ist, dass es dich als menschliches Wesen herabsetzt. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass der IQ um acht Punkte sinkt, wenn man mehr als sechzig bis neunzig Tage lang ununterbrochen raucht. Und dieser Rückgang an geistiger Leistungsfähigkeit wird sich nie wieder vollständig wiederherstellen lassen.

Du musst dich nicht an irgendwelchen Untersuchungen orientieren. Wenn du einfach diejenigen beobachtest, die normalerweise rauchen; wenn du sie stoned siehst, sehen sie friedlich aus. Aber wenn du ihnen zwei Tage lang ihren Stoff nicht gibst, wirst du sehen, wie gereizt sie werden können. Man kann friedlich sein, wenn man benebelt ist, aber dieser Frieden hat keinen Wert. Wenn du irgendeine Art von äußerer Substanz verwendest, wird etwas an dir schrumpfen. Aber wenn du dich von innen berauschst, wird sich etwas an dir verbessern. Das ist der große Unterschied.


Heute ist Marihuana in vielen Staaten Amerikas legal geworden, und viele große Unternehmen bringen eine Vielzahl von Marihuana-Produkten auf den Markt. Marihuana war 2018 eine 10,4 Milliarden Dollar Industrie in den USA. Millionen von Jahren der Evolution haben den Menschen auf das heutige Niveau der Gehirnfunktionen gebracht. Aber du weißt nicht, wie du mit dieser Fähigkeit umgehen sollst und willst dich benebeln. Das ist mit Sicherheit ein Rückschritt. Es gibt nichts Spirituelles daran.

Eine andere Droge, die früher als spirituell angepriesen wurde, ist Ayahuasca aus Südamerika. Was passiert, ist, dass man es nimmt und alles auskotzt! Wenn du denkst, dass das spirituell ist – alles Gute! Als wir aufwuchsen, gab es eine Marke von Abführmitteln, ein Öl für lockeren Stuhlgang namens Kunti Kumari Bedhi Ennai. Das ist Rizinusöl, gemischt mit Japalam. Wenn sich jemand komisch verhielt und ständig ausflippte, sagte man: „Du musst ihm Kunti Kumari Bedhi Ennai geben“, weil ihm die Scheiße in seinen Kopf gestiegen ist. Er muss durch und durch gereinigt werden, was wirklich der Tatsache entspricht. Irgendein Unsinn ist in deinen Kopf gedrungen, du versuchst es kleinzurauchen – nein, du brauchst Kunti Kumari Bedhi Ennai!

Anmerkung der Redaktion: In diesem Video antwortet Sadhguru auf die Frage, ob die Flucht vor der Realität durch Drogenkonsum eine akzeptable Art zu leben ist. Schau es dir auf unserem Youtube-Kanal an!